Fachtagung „Freie Werkstätten und Servicebetriebe“

Die freien Werkstätten stehen vor großen Veränderungen. Die Reparatur und Wartung von modernen Fahrzeugen wird durch Softwarevorgaben der Fahrzeughersteller zunehmend erschwert.

Welche Lösungen den freien Werkstätten zur Verfügung stehen, um handlungs- und arbeitsfähig zu bleiben, wurde von Experten u.a. aus dem Servicebereich, auf der Fachtagung „freie Werkstätten und Servicebetriebe “vorgestellt.

Am 10. Oktober 2020 verfolgten insgesamt 230 Teilnehmer, davon 170 Anwesende vor Ort, im Vogel Convention Center in Würzburg und 60 über den Livestream, die Vorträge und Podiumsdiskussionen.

Prof. Dr.-Ing. Stefan Goß

Prof. Dr.-Ing. Stefan Goß der Fakultät Fahrzeugtechnik an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften referierte als Diagnoseexperte auf der Tagung zum Thema „Freier Zugang zur Fahrzeugdiagnose vor dem Hintergrund gesetzlicher Vorschriften und der Aktivitäten der OEMs in Sachen Security Gateway“.

Das Security Gateway, der Schutz der Diagnoseschnittstellen vor unbefugter Benutzung, ist keine boshafte Hürde der Automobilhersteller, sondern ein Schutz vor Hackerangriffen.

Die Verschmelzung zwischen Auto und Software wird zunehmend größer und die modernen Autos werden immer „kommunikationsfreudiger“. Diese Kommunikationsbereitschaft, die sich nicht nur auf den Entertainment- und Infotainmentbereich bezieht, muss geschützt werden.

Dazu Goss: „Ein Fahrzeugzugang muss für Unbefugte definitiv mehr geschützt werden. Aber gleichzeitig muss für Befugte der Zugang möglich sein, damit kein Marktteilnehmer benachteiligt ist. Technisch ist das machbar“.

(Fotos von Stefan Bausewein – Fotograf auf der Fachtagung )

HU/AU aktuell

Gesetzliche Änderungen, verordnet am 2.12.2019 vom Bundesverkehrsministerium (BMVI), sind im April 2020 im Verkehrsdatenblatt erschienen. Dies betrifft auch die Hauptuntersuchung. Der Mangelkatalog sieht zunehmend neben EM (erheblicher Mangel) auch die nächst schärfere Einstufung VM (gefährlicher Mangel) vor. In beiden Fällen gibt es natürlich keine Plakette, aber bei VM gibt es noch einen deutlichen Hinweis im Prüfbericht bzgl. der Sicherheitsgefährdung. Im Gegensatz zu VU (verkehrsunsicher) wird die aktuelle Plakette aber nicht abgekratzt.

Positiv: Entgegen allen Überlegungen gibt es bis auf Weiteres keine Rückdatierung. Somit gilt weiterhin: Der nächste HU-Termin wird bezogen auf den Monat, an dem man seine HU/AU erfolgreich absolviert hat aufgeklebt und nicht bezogen auf den Monat, in dem man die HU/AU hätte durchführen müssen (Beispiel PKW: heute erfolgreiche HU/AU -> nächste HU/AU in genau 2 Jahren und nicht früher).

Fernservice und Ferndiagnose

Mit einem Papier aus dem Dezember 2019 haut der VDTÜV mächtig auf die Pauke: Er will die Kompetenz für den Zugang zu Fahrzeugdaten im Rahmen einer kontinuierlichen Überwachung über eine Mobilfunkschnittstelle als eine Art Treuhänder übernehmen und damit dem Konzept der Automobilhersteller entgegenwirken.

Die Auslegung der DSGVO ist dabei bemerkenswert: Zitat (aus dem Positionspapier, das noch nicht einmal eine Seitennummerierung trägt):

Da es sich bei dem Anwendungsszenario PTI ausschließlich um eine hoheitliche Aufgabe handelt, muss die
sonst grundsätzliche Einwilligung des Fahrzeugnutzers für die Datenweitergabe an Dritte in diesem Fall nicht
erfolgen (gem. Art. 6 (1) DSGVO).

POSITIONSPAPIER AUTOMOTIVE TRUSTCENTER: Verkehrssicherheit und Umweltschutz durch Fernzugriff auf Fahrzeugdaten.